Tuning up! Innovative Potentiale der Musikvermittlung

 

Ringvorlesung an der mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien

Wintersemester 2019/2020

Musikvermittlung ist im deutschsprachigen Raum ein vergleichsweise junges künstlerisch-pädagogisches Praxisfeld. Nach vereinzelten Initiativen im 20. Jahrhundert (vornehmlich im Rahmen von Konzerten für Kinder) etablierte sich Musikvermittlung ab der Jahrtausend-wende zunehmend als eigenständiges Berufsfeld. Die Gründung eines postgradualen Lehrgangs an der Hochschule Detmold 1998 und die Einrichtung von ersten Education Abteilungen an Orchestern (Berliner Philharmoniker 2002, Bruckner Orchester Linz 2002, Tonkünstler Orchester Niederösterreich 2003) markieren Startpunkte für die zunehmende Professionalisierung und Institutionalisierung musikvermittelnder Tätigkeiten.

In den vergangenen 20 Jahren entstand im Zuge der Konsolidierung eine Fülle von musikvermittelnden Formaten, die in Anbindung an Konzerte (Konzerteinführungen, Workshops), als spezielle Konzertformate (Kinder- und Familienkonzerte, inszenierte Konzerte) oder als Outreach-Projekte (musikalische Interaktionen jenseits etablierter Kulturinstitutionen) diverse Publika adressieren. Inzwischen mag kaum ein renommiertes Orchester, kaum ein einschlägiges Festival auf die Dienste von Musikvermittler*innen verzichten – sofern es sich diese finanzielle Ausgabe leisten kann.

Die zunehmende Verankerung von Musikvermittlung im musikalischen Leben brachte Innovationen in den Bereichen der musikalischen Aufführungspraxis, der Ausbildung von Musiker*innen und der Konzertformate mit sich. Doch wie kommt es, dass manche musik-vermittelnden Formate sich etablieren konnten und ihnen damit der Schritt von der Invention zu einer künstlerisch-pädagogisch relevanten, gesellschaftlich bedeutsamen – und im Idealfall auch ökonomisch rentablen Innovation gelang? Wo liegen Innovationspotentiale von Musik-vermittlung über die Entwicklung von Einzelformaten für spezifische Zielgruppen hinaus? Welche Umstände ermöglichen oder hemmen innovative Prozesse aus organisationssozio-logischer, kulturbetrieblicher und wissenssoziologischer Sicht? Welche Rolle spielt bei diesen Prozessen explizites und implizites Wissen der Akteur*innen von Musikvermittlung? Inwiefern wirkt Musikvermittlung direkt oder indirekt auf die Ausbildung an Universitäten und Hochschulen zurück und trägt somit dazu bei, Studierende auf die heutigen Anforderungen des Konzertbetriebs vorzubereiten? Und birgt Musikvermittlung womöglich auch innovative Potentiale für die wissenschaftliche Praxis (Stichwort: artistic research)?

Fragen wie diese werden wir in der Ringvorlesung mit internationalen Vortragenden transdisziplinär erkunden und diskutieren. Darüber hinaus werden herausragende Musiker*innen unterschiedliche Musikvermittlungsangebote umsetzen, um so innovative Potentiale der Musikvermittlung zu illustrieren.

 

Termine (jeweils 16.00-20.00 Uhr)

 

  • Do., 24.10.2019  

Constanze Wimmer (Graz) |

Musik: Joonas Ahonen

 

  • Do., 7.11.2019     

Peter Peters (Maastricht) & Ronald Staples (Erlangen) |

Musik: qWINDett & Henrik Szanto, Jonas Scheiner

 

  • Do., 12.12.2019   

​​​​​​​Rineke Smilde (Groningen/Wien) & Tasos Zembylas (Wien) |

Musik: Die Kolophonistinnen

 

  • Do., 23.1.2020    

Matthias Naske (Wien) & Jutta Toelle (Frankfurt) |

Musik: Duo Stump-Linshalm

Ort

Institut für musikpädagogische Forschung, Musikdidaktik und Elementares Musizieren, Metternichgasse 8, Konzertsaal (EG05)

 

Konzeption und Organisation

 

Sarah Chaker (Institut für Musiksoziologie) und

Axel Petri-Preis (Institut für musikpädagogische Forschung, Musikdidaktik und Elementares Musizieren) der mdw